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Die Zusammenschlüsse der Markgräfler Winzergenossenschaften gehen weiter

Vom Zwang des Marktes

Bezirkskellerei Markgräflerland in Efringen-Kirchen und Winzerkeller Ehrenkirchen fusionieren

Die Bezirkskellerei Markgräflerland in Efringen-Kirchen hat ihre Marktposition weiter ausgebaut. Durch die Fusion mit der Winzergenossenschaft Ehrenkirchen verfügt sie nun über 870 Hektar Reben und rund 1200 zuliefernde Winzerbetriebe.

Touristen bewundern die gepflegte Landschaft, Genießer schwärmen von den eleganten Weinen, die dort hervorgebracht werden: Wie eine Perlenkette reihen sich die Weinberge der Markgräfler Winzergenossenschaften von Basel den Rhein hinab Richtung Norden. Doch der Glanz mancher dieser Perlen ist matt geworden. Hinter der Idylle beginnt es zu bröckeln. Trotz Auszeichnungen, Goldmedaillen und hohen Punkte-Wertungen, die erfahrene und begabte Kellermeister immer wieder einfahren, blinken längst und eindringlich die roten Zahlen.

„Der Preiskampf im Handel ist sehr aggressiv geworden“, bedauert Gerhard Rüdlin, geschäftsführender „Vorstand“ der Bezirkskellerei Markgräflerland in Efringen-Kirchen, „Nicht nur die Discounter, sondern auch der übrige Lebensmittelhandel locken mit immer attraktiveren Preisangeboten.“

Kleinere der überwiegend genossenschaftlich organisierten Kellereien der Region können da nicht mehr mithalten. Ihre produzierten Mengen sind zu minimal, um den Bedarf der Discounter zu befriedigen. Und ihre Ertragslage lässt keine Erneuerung der immer teurer werdenden modernen Kellertechnik zu. Da sind selbst beste Qualitätsausweise nur noch ihr Papier wert.

Zusammenschlüsse, wie sie 2005 etwa zwischen den Genossenschaften Ehrenstetten und Kirchhofen zum „Weinkeller Ehrenkirchen“ führten, brachten auch keine Rettung. Im Gegenteil. Zwei aufeinanderfolgende Missernten und prestigemindernd bedingte Absatzprobleme im Einzelhandel erzeugten sogar ein noch größeres Debakel. Dazu Rüdlin, der seit Jahrzehnten die regionale Szene wie kaum ein anderer beobachtet und kennt: „Die beschaulichen Zeiten sind auch in unserer Branche vorbei. Selbst der Weinmarkt ist inzwischen globalisiert. Fit ist nur, wer groß genug ist um mitzuhalten.“

Letzte Woche nahm er also dann den Patienten Ehrenkirchen unter seine Fittiche. In einer außerordentlichen Generalversammlung ließ er sich mit einer soliden Mehrheit von 75 Prozent plus ein, zwei Stellen hinter dem Komma, von den Mitgliedern der Ehrenkirchener Genossenschaft das Ja zur Fusion mit der Bezirkskellerei Markgräflerland erteilen. Hier in seinem Haus, stimmten dem Handel 98 letztlich und erwartungsgemäß Prozent der Mitglieder zu.

Damit kehrt nun im betroffenen Lager wieder Ruhe ein. Mit der einstigen Absicht, die Produktion im Teilort Ehrenstetten einzustellen und mit dem „Badischen Winzerkeller“ in Breisach (Kaiserstuhl) zu kooperieren, waren vor 18 Monaten 50 Mitglieder nicht einverstanden und hatten das Handtuch geworfen.

Beim Zusammenschluss mit der Bezirkskellerei Efringen-Kirchen bleiben nun die Annahmestationen, Keltereinrichtungen und Verkaufsstellen erhalten. Nur der Vertrieb wird ab jetzt von Efringen-Kirchen aus vollzogen. Mit der Fusion erhöht sich die „direkt erfassende“ Rebfläche der Bezirkskellerei auf 870 Hektar. Damit stehen dort jetzt rund 1200 Winzer resp. Winzerbetriebe in Lohn und Brot.

Mit der neuen Größe hat Gerhard Rüdlin kein Problem. „Wir haben das modernste und beste Knowhow, und das kommt schließlich allen zugute.“ Und: „Je kleiner, desto besser - das ist ein romantisches Schlagwort und klar von Gestern.“. In Deutschland ist die Bezirkskellerei Markgräflerland in ihrer Sparte jetzt der achtgrößte Betrieb.

Bernd Keller

Info:

Bezirkskellerei Markgräflerland

Rebland: 870 Hektar

Mitglieder: 1200 Winzer

Rebsorten in Prozent:

36 Gutedel, 33 Spätburgunder (rot), 16 Müller-Thurgau, 5 Weißburgunder, 3 Grauburgunder

Mitarbeiter 2009: 31 voll, 6 Teilzeit

Ertrag 2009 : 7,1 Mio. Kilogramm Trauben

Mengenabsatz 2009: plus 37 %

Wertumsatz 2009: plus 36 %

Ertragslage: Auszahlungsleistung gemäss Bad. Genossenschaftsverband „überdurchschnittlich“

Investitionen: 5.707.000 Euro für Ausbau und Modernisierung der Kellerei bis Herbst 2010






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