Ausgabe 29.04.2010 vorherige | nächste



Was wurde aus der Schweinegrippe?

Hu! Hu! Hier bin ich!

Klaus Amann

In den Monaten Oktober und November im vergangenen Jahr war die „Schweinegrippe“ ein fulminanter Schlagzeilenmacher in Fernsehen, Presse und Radio. Zunächst fühlte sich die Weltbevölkerung unter dem Eindruck der Medien von einem mutmaßlich schrecklichen Virus bedroht und die Gesundheitsbehörden lösten überall hohe und höchste Alarmstufen aus. Dann gab es enorme Kritik am nicht vorhandenen Impfstoff und als dieser nach riesengroßen Investitionen an Forschungspower endlich in ausreichender Menge zur Verfügung stand, da verweigerten sich die meisten Menschen einer Impfung. Und jene, die sich impfen ließen, die wurden ob ihrer Ängstlichkeit gelegentlich ausgelacht und nach dem Zustand des eigenen „Ringelschwänzchens“ befragt.

Das hat zwar eine komische Seite, weil diese Schweinegrippe die Menschheit im vergangenen Winter tatsächlich bestenfalls „streifte“ und sie nicht auffallend dezimierte, doch sie wird zum kommenden Jahresende – so oder so - erneut unsere Gesundheit tangieren und es ist völlig offen, in welch einem Ausmaß dies geschehen wird. Es könnte auch ein Szenario geben, bei dem das Lachen in ein lautstark verbreitetes Keuchen und Husten übergeht.

Vielen Menschen auf dem Planeten wird das „Krisenjahr 2009“ als „Jahr der Schweinegrippe“ in Erinnerung bleiben. Offen ist allerdings noch, in welchem Kapitel des Geschichtsbuches die Viruserkrankung stehen soll: Wird sie tatsächlich bei den großen Seuchen der Menschheit eingereiht, wie es die Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation bereits im Juni düster verkündete? Oder wird sie eher als Pseudo-Pandemie, als abschreckendes Lehrstück von epidemischer Hysterie und staatlicher Überreaktion in die Medizin- und Sozialgeschichte eingehen? (vgl. Lesehinweis)

Noch nicht einmal die Ärzteschaft, weltweit und auch in Südbaden war sich einig, ob sie sich selbst, ihre Mitarbeiter und Patienten gegen die Schweinegrippe impfen lassen sollen. Wenige als die Hälfte der Ärzte unserer Regio folgten dem Ratschlag der Gesundheitsämter und ließen sich impfen, berichtet eine Studie der Universitätsklinik Freiburg und noch viel weniger Patienten verlangten nach dem Impfschutz.

Glück gehabt, so möchte man sagen, denn die Zahl der statistisch erfassten Erkrankungen blieb beschränkt. Im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald gab es rund 2500 Fälle, im Landkreis Lörrach 450 und im Landkreis Emmendingen rund 100. Es gab auch einige wenige Todesfälle, doch fast alle Erkrankungen verliefen zwischen „harmlos“ und „glimpflich“. In Erinnerung bleiben wird die durch Boulevard - Blätter angeheizte, unangebrachte Aufgeregtheit zuerst um den Virus selbst und dann um die neu entwickelten Impfstoffe, die man zeitweise als noch gefährlicher einstufte als die Schweinegrippe.

Dr. Armin Dietz, Leiter des Gesundheitsamtes Emmendingen erläuterte vor wenigen Tagen, dass zum Thema Schweinegrippe nun Stille und Ruhe eingekehrt sei; dies sei auch die derzeitige Situation im Landkreis Lörrach, wie Dr. Uwe Hoffmann vom Fachbereich Gesundheit bestätigt. Derzeit würden die Südbadener von der Pollen-Allergie geplagt und nicht durch Grippeerkrankungen, sagt Rainer Unmüssig vom Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald.

Was zu denken gibt: es sei unverkennbar, schreibt die Zeitschrift „Aus Politik und Zeitgeschichte“, dass man weltweit die Reaktion der Bevölkerung auf den Virus und seine Bekämpfung falsch eingeschätzt hatte. Ganz offensichtlich sei es nicht gelungen, bei der Bevölkerung Vertrauen in die Maßnahmen der Behörden zu wecken.

Die internen Diskussionen und Analysen auf den Ebenen von Bund, Land und Kreis finden statt, denn die nächste Epidemie, die Schweinegrippe oder ein anderer Virus kommt global verbreitet so sicher wie das sprichwörtliche Amen in der Kirche. Niemand kann und will versprechen, dass sie so harmlos verläuft wie die Grippewelle samt Schweinegrippe im Spätherbst 2009. Sie wird zurückkehren, wenn erst einmal der Sommer und Herbst 2010 sich dem Ende zuneigen und die „Schnief-Schnief“ – Witterung an unsere Haustür anklopft. Die Schutzimpfung gegen die Schweinegrippe ist weiterhin  möglich und sinnvoll - ohne Nebenwirkungen.

Als Lektüre empfohlen: Aus Politik und Zeitgeschehen Heft 52/2009, Beilage zur  Wochenzeitung „Das Parlament“, Internet http://www.bpb.de/apuz

Foto: Fotolia



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